A1 aktualisiert: 25.02.2016
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Abkürzungen

      A1 Abendhexe - Amarus
      A2 Âme et la chair - Auf der grünen Tanne
      A3 Auf verwachsenem Pfade - Aus der neuen Sammlung von mährischen Volksliedern
      A4 Aus einem Totenhaus - Ave Maria
       
      A byl jeden zeman > Fünf Volkslieder (JW IV/37, Nr. 5)
      A chot' sem děvucha > Schlesische Lieder (JW V/13, Nr. 3)
      A chot' sem ja drobňušinka drobna > Schlesische Lieder (JW V/13, Nr. 1)
      A dybystě zapřihli > Schlesische Lieder (JW V/13, Nr. 9)
      A, ja zarmucena > Walachische Tänze, Starodavný II (JW X/20, Nr. 6)
      Abencérages > Der Letzte der Abencérages (JW XI/1)
      Abendhexe > Die Abendhexe (JW IV/28, Nr. 3)
      Abendmuhme > Die Abendhexe (JW IV/28, Nr. 3)
      Abendschatten > Die Abendschatten (JW X/7)
      Abhandlungen zur Musiktheorie > Feuilleton 1884 (JW XV/26)
      Abendschoppen > Die Abendschatten (JW X/7)
      About Kašpar Rucký (1612) > Kašpar Rucký (JW IV/41)
       
Was Nr Jahr Abschied (Loučení) [loutschenii] (Parting) (JW IV/19, Nr. 1)
      Auch: "Scheiden" oder "Scheidung" - nicht zu verwechseln mit dem Chor "Rozloučení" JW IV/28, Nr. 4 (= Trennung)
Männerchor unbegleitet, unter dem Sammeltitel "Tři mužské sbory" (Drei Männerchöre I) publiziert, als Nr. 1, zusammen mit > Nr. 2 "Das Täubchen" und Nr. 3 "Der Eifersüchtige" (= ED 1)
T Eliška Krásnohorská, aus der Sammlung "Letorosty" (Schösslinge) von 1887; erste Textzeile: Když mne necháš pro svět, moje potěšení  
K 1888

ca.

A nicht erhalten
M 1 Abschrift von Josef Štros, JA A 39.745 autorisiert 
ED 1 1959 SNKLHU Prag 
2 1983 JGA C/1 SUPRAPHON/BÄRENREITER Prag/Kassel, "Männerchöre I", 81-86
MT     Bärenreiter H 2446 > www.baerenreiter.com
D 4 min, 31 Takte
UA 1956 01.09., Přerov, PSMU/Jan Šoupal 
TT 1 1954 PSMU,Jan Šoupal; SUP LP m 
2 1977 Prager PhilChor, Josef Veselka; SUP LP st
3 1995 Mährischer Lehrerchor, Lubomír Mátl; NAXOS CD publ 2001 (Covertext "Máti")
4 2004 QVOX, The Male Voice Quartet, ARCO DIVA CD, > naxosmusiclibrary
L 1 1956 Sychra, Antonín: K otázce Janáčkova slohu (Zur Frage des Reifens von Janáčeks Stil) in HR IX, 1956, 747-749, 794-796
T
dt Ue von Max Brod, in ED 1)   dt Ue von Bedřich Eben, in ED 2)
Wenn es denn beschlossen, dass wir zwei uns meiden, gib mir zum Gedenken einen Kuss beim Scheiden. Einen Kuss mir gib, mir zum Gedenken , nur einen Kuss. Gib dazu noch, Liebste, dass ich's trag im Herzen, was dich je betrübte, alle deine Schmerzen, dass kein Leid und Kummer dir die Ruhe stehle. Mache Gott dich glücklich, meine teure Seele!   Wenn du mir, mein Liebchen, willst die Freiheit schenken, gib mir noch ein Küsschen als ein Angedenken. Wenn du willst mein Liebchen, gib mir noch ein Angedenken. Gib mir, was ich wünsche, dass ich's trag im Herzen, alles, was dir wehtut, alle deine Schmerzen, alles, was als Reue dich im Herzen quäle. Gott mag dich beschützen, meine teure Seele.
Dieser Männerchor ist erst 1955 von Ing. Antonín Dvořák entdeckt worden, im Nachlass seines Vaters, des Komponisten Antonín Dvořák. Der Chor benutzt ein eintaktiges Motiv, das imitiert wird und in einem Unisono-Takt kulminiert (Takt 26); er wirkt streng und düster. Schwierige Stimmführung, harmonisch ungewöhnliche Zusammenklänge. Vgl. Brief Dvořáks an Janáček, 14.06.1888, in: Antonín > Dvorák, Korespondence a Dokumenty, 2/1885-1889, EDITIO BÄRENREITER PRAG 329
       
      Abschied  (Loučení) > Mährische Volkspoesie in Liedern (JW V/2, Nr. 38)
      Abschied  (Rozloučení) > Trennung (JW IV/28)
      Aby už se nemohlo jíti nikdy zpět > Stücke für das Album von Kamila Stösslová (JW VIII/33, Nr. 5 )
      Ach dyž sem já šéł od svéj milenky > Mährische Volkspoesie in Liedern (JW V/2, Nr. 44)
      Ach, ich Betrübte > Lachische Tänze (JW VI/17, Nr. 4)
      Ach Krieg > Zu Felde ziehen (JW IV/17, Nr. 3)
      Ach Liebe > O Liebe (JW IV/17, Nr. 2)
      Ach, ty Jurko, Jurenko  > Mährische Volkslieder (JW VIII/23, Nr. 3)
      Ach vojna   > Zu Felde ziehen (JW IV/17, Nr. 3)
      Aching head > Mährische Volkspoesie in Liedern (JW V/2, Nr. 47)
       
      Ackermann, Otto (05.10.1909 Bukarest - 09.03.1960 Bern)
Schweizer Dirigent rumänischer Herkunft; war ab 1932 Operndirektor in Brünn, ab September 1935-1947 Kapellmeister und Regisseur am Stadttheater Bern, 1947-52 Wiener Oper, 1949-53 Stadttheater Zürich. 
In Brünn hat Ackermann kein Werk von J dirigiert, jedoch in Düsseldorf, Mainz, Köln, Bern und Zürich:
1931 Aus einem Totenhaus (JW I/11) in Düsseldorf (als zweiter Dirigent neben Jascha Horenstein)
1947 Kát'a Kabanová (JW I/8) in Bern (Radio-Produktion) und am Stadttheater Zürich (Schweizer EA)
1955 Das schlaue Füchslein (JW I/9) am Stadttheater Zürich (Schweizer EA) und in Köln
TT 1 1947 Kat'a Kabanová , Rundfunk-Produktion, Prod. Schweizer Radio, Studio Bern, ca.70' (MC-Kopie, Sammlung Knaus)
Ackermann hat das "Schlaue Füchslein" noch vor Walter Felsenstein im deutschen Sprachraum bekannt gemacht.
       
Adagio (JW VI/5)
für grosses Orchester
K 1890 ca., nach 09.11. 
A nicht erhalten
M 1 Abschrift von Josef Štros, nicht datiert, P und Orchestermaterial
2 1925 ?, Archiv Brünner Radio
  3 1935 P und Stimmen, Abschrift, JA A 11448
ED 1 P, CHF Prag, CHF 308 (vervielfältigte P von M2)
2 1964 StudienP, SHV Prag, H 3932
3 1978 StudienP, UE Wien, UE 16789
MT Leihmaterial UE: atlantismusik@tele2.ch  D:www.schott-musik.de  A: www.universaledition.com 
B 2 Fl (auch Piccolo) - Ob - EHr - 2 Kl - 2 Fag 
2 Tromp - 2 Hr - 2 Pos - Pk - Str
D 6 min, 194 Takte
UA 1930 20.12., Brünner Radio, Břetislav Bakala
WA 1941 20.02., EA Brünn, Orch. des Tschechoslowak. Radios, Václav Kašlík
TT 1 1972 Nordwestdeutsche Philharmonie, Klaus Bernbacher, CD Rundfunkmitschnitt, Sammlung Knaus
  2 1986 Prager Kammerorchester, Oldřich Vlček; SUP LP st + CD
3 1991 Brünner Philh.,František Jílek; SUP CD
4 1992 Philh. Kammerorchester München, Michael Helmrath; ORFEO CD
5 2013 Akademisches Orchester Zürich, Johannes Schlaefli, Tonhalle Zürich, Live, 27.05., CD, Sammlung Knaus
6 2015 Edward Gardner, Bergen Philharmonic, CHANDOS CD
     
L 1 1958 Vogel 134ff
2 1992 Schumann, Karl: Frühe Orchestermusik von Janáček. In TT 3) Begleitheft
I 1991 Simeone 164
Das Manuskript hat Břetislav > Bakala 1918 in der slowakischen Truhe von J entdeckt; J wusste nicht mehr, was es zu bedeuten hatte (Vogel 314). Bakala stellte Bezüge zur Oper > "Šárka" (JW I/1) her und bezeichnete das "Adagio" als Vorspiel zu dieser Oper. Theodora Straková zeigt im Vorwort zu ED 3) die motivische Verwandtschaft zwischen dem EHr-Thema im Mittelteil des Werks und dem Thema der Ankunft Ctírads im 1.Akt der Oper "Šárka". Die Tonart d-Moll hat J sonst nie mehr verwendet.
Vogel vermutet, dass das Werk unter dem Eindruck des Todes seines Sohnes Vladimír (9.November 1890) komponiert worden ist (Vogel 135).
Veselý 154 erwähnt im WV ein "Stück für Orchester (Con moto, Adagio, Allegretto, Allegro) Handschrift 1890"; dies betrifft nicht dieses "Adagio", wie Straková im Vorwort zur kleinen Partitur (ED 2 + ED 3) meint, sondern die > Suite op.3 (JW VI/6). Brod, 70 erwähnt in seinem WV "18. *** Orchesterkomposition, 4 Sätze, Manuskript" zwischen "17. Roman-Anfang 1894" und "19. Mährische Volkstänze 1891-93" - auch hier handelt es sich um die Suite op.3.
       
      Adagio I+II > Zwei Kompositionen für Orgel (JW VIII/7)
       
Adorno, Theodor W. (11.09.1903 Frankfurt a.M. - 06.08.1969 Visp/Schweiz)
Philosoph, Soziologe und Komponist. Er rezensierte 1924 die Frankfurter EA der "Jenufa" (JW I/4) und das "Streichquartett Nr. 1" (JW VII/8), zweimal das "Concertino" (JW VII/11) für die Zschr "Die Musik" sowie im April 1929 die Oper "Die Sache Makropulos" (JW I/10) (dt EA, Dirigent: Josef Krips) für die "Musikblätter des Anbruch".
In "Jenufa" rühmt er - trotz Einwand gegenüber dem Versuch, Wortklang und Wortbedeutung mit Musik zu verschweissen - die "lyrische Echtheit der Partikel", dass sie sich frei "von schlechtem Pathos und Sentimentalität" halten. Das "Concertino" wird beim ersten Mal (Mai 1926) nachsichtig beurteilt: "Den Instrumenten geht es dabei an den Kragen der Gewohnheit, was ihnen gut bekommt", beim zweiten Mal (September 1927) bemerkt er: Es "wird vom öfteren Hören nicht besser, seine Kanten schleifen sich aus". "Die Sache Makropulos" hingegen bezeichnet er als "revolutionär in der Art der Konfiguration".
L 1 1924 Adorno, Theodor W.: Jenufa. In: Zschr für Musik, Februar 1924
  2 1929 Wgd = Wiesengrund, also: Theodor W. Adorno: Janáček, Sache Makropulos. In: Der Anbruch, April 1929
  3 1958 Adorno, Theodor W.: Philosophie der neuen Musik. Frankfurt 1958, Suhrkamp, S. 38/a3
4 1984 Adorno, Theodor W.: Gesammelte Schriften 19, Musikalische Schriften IV, Frankfurt 1984, Suhrkamp, S. 31ff, 72ff, 88, 108, 149-154
5 2003 Botstein, Leon: The Cultural Politics of Language and Music: Max Brod and Leoš Janáček. In: Beckerman, Michael (Hrg.) - Janáček and his world. New Jersey 2003, S. 13-54, mit engl Ue von 3 J-Rezensionen Adornos
6 2007 Tyrr-Bio2, 723. Nach Tyrrell tat sich Adorno bei der Kategorisierung schwer und platzierte sie unter den rätselhaften und experimentellen Werken.
7 2007 Mäkelä, Tomi: Jean Sibelius. Poesie liegt in der Luft - Studien zu Leben und Werk. Breitkopf & Härtel Wiesbaden 2007, 510 Seiten, darin besonders 353-358 (Adornos Sibelius-Kritik, mit Bemerkungen zu J)
       
      Adventures of vixen Bystrouška, The > Das schlaue Füchslein (JW I/9)
      Aextlein > Rákoš Rákoczy (JW I/2, Nr. 5), > Volkstänze in Mähren (JW VIII/10, Nr. 9)
      Ahnung > Sonate 1.X.1905 (JW IV/19)
      Ah, the war > Zu Felde ziehen (JW IV/17, Nr. 3)
      Ah, vojna vojna >  Zu Felde ziehen (JW IV/17, Nr. 3)
      Aj, co to je za slaviček > Schlesische Lieder (JW V/13, Nr. 7)
      Aj, co to tam šusti > Schlesische Lieder (JW V/13, Nr. 5)
      Aj, čo by bola > Anfang eines Romans (JW I/3, Nr. 8a, 16, 17)
      Aj ženy > Fünf mährische Tänze (JW V/6, Nr. 4)
      Aj, zerzaj, zerzaj > Mährische Volkspoesie in Liedern (JW V/2, Nr. 35)
       
Akkord
Der Akkord ist für mich ein belebtes Wesen...Ich weiss, dass sich mein Herz zusammenzieht, wenn ich ihn niederschreibe....Was kümmert mich das geborgte Adjektiv schön, unschön.... (Vogel 14; MdL, 35)
Js Ansichten vom Akkord waren eigenartig und merkwürdig vage. Über die Auflösung des Dominantseptakkordes hatte er sich ja schon in seiner Ausbildungszeit bei Professor František > Blažek recht widerborstig originell vernehmen lassen: Die Septime schreitet abwärts, die Terz aufwärts, die Quinte steigt, der Grundton fällt. - Nicht einmal das weiss er. Mir geht es durch den Sinn:
akkord1 klicken zum anhoeren
Und die Septime ist nicht geschritten, die Quinte nicht gestiegen und der Grundton nicht gefallen! Von jener Zeit an begann ich über die Geheimnisse der Akkordverbindungen nachzudenken. Das Licht der Wahrheit erblickte ich aber weder bei dem Leipziger Dr. O. Paul noch bei dem Wiener Krenn. (MdL, 28)
Eine ähnliche Situation hat sich bei Leo Grill in Leipzig ergeben (vgl. ZdBr, 52). Dennoch operierte J mit pedantisch genauen zeitlichen Angaben, wie die Klänge ineinander fliessen. Janáčeks theoretische Arbeit über den Akkord ist 1897 erschienen (L 1).
L 1 1897 Janáček, Leoš: O skladbě souzvukův a jejích spojův (Über den Aufbau der Akkorde und ihrer Verbindungen), Prag 1897 > Vollständige Harmonielehre
2 1968 Leoš Janáček: Hudebně teoretické dílo 1 (Das musiktheoretische Werk 1), S. 182-296, EdS 1968
3 1988 Prey, Stefan: Diatonik bei Janáček. In: Musica 9/10, 1988, 442-447
       
Akkordeon
Harmonika-Instrument mit im Instrument vorbereiteten feststehenden Akkorden. Da J sieben Stücke für den Klavierzyklus > "Auf verwachsenem Pfade" (JW VIII/17) für Harmonium gesetzt hat, liegt es nahe, dass man in neuester Zeit auch das Akkordeon dafür einsetzt: Teodoro Anzellotti hat als erster diese, aber auch die übrigen Stücke des Zyklus und weitere Klavierstücke, auf dem Akkordeon eingespielt (TT 1). Schon früher aber hat man anscheinend an diese Möglichkeit gedacht - vgl. ED 1). Weitere Akkordeonspieler sind dazugekommen:
TT 1 2002 Teodoro Anzellotti, Akkordeon; Auf verwachsenem Pfade, Reihe I+II (JW III/17), Zum Andenken (JW VIII/9), Drei mährische Tänze (JW VIII/12+18), Eine Erinnerung (JW VIII/32); EDEL CD - Label-Nr. 910 089-2 WINTER&WINTER
  2 2004 Ivan Koval, Akkordeon, Nr. 1 und 7 aus Reihe I, KREUZ Verlag Stuttgart, CD K 2413
  3 2008 Marko Kassl, Akkordeon, Reihe I, CLASSICtips, bearbeitet von Stefan Hencke für Akkordeon und Klavier; CD CLCL 107
ED 1 1967 "melodien des jungen akkordeonspielers", EdS Prag und Bratislava 1967, hrg von Josef Kotík und Dušan Pazdirek - die Ausgabe enthält den Lachischen Tanz "Pilky" von LJ (JW VI/17, Nr. 6) - Sammlung Knaus
       
Albrecht, Gerd (geb 19.07.1935 in Essen/D)
dt Dirigent, setzt sich für J ein und für tschechische Musik; in Zürich hatte er als Leiter des Tonhalle-Orchesters (1975-81) die  > Sinfonietta (JW VI/18) kommentiert, u.a. auch in Kinderkonzerten. Während seiner Zeit als Chefdirigent der Tschechischen Philharmonie (1991-1996) hat er eine grosse Reihe von tschechischen Werken aufgeführt und eingespielt.
2004: Drei Janáček-Konzerte in Tokyo mit dem Yomiuri Nippon Symphony Orchestra
TT 1 1995 Schicksal (Osud) (JW I/5), Tschech. Philh., ORFEO CD
2 2000 Lachische Tänze (JW VI/17), WDR Sinfonieorchester; ORFEO CD publ 2006
3 Suite op. 3 (JW VI/6), WDR Sinfonieorchester; ORFEO CD publ 2006
4 Höre mich, Herr! (JW III/5), NDR Chor, WDR Rundfunkchor und Sinf.orchester; ORFEO CD publ 2006
5 Vater unser (JW IV/29), NDR Chor, WDR Rundfunkchor, ORFEO CD publ 2006
DVD 1 2007 Graduale "Speciosus forma" (JW II/1), Prager Philh Chor, Gerd Albrecht, im WDR-TV-Janáček-Porträt von Thorsten Fricke und János Darvas, Erstausstrahlung in ARTE 28.07.2007
       
      Album für Kamila Stösslová
  Das Album ist in den beiden letzten Lebensjahren von J entstanden; er wollte seine intimsten Erinnerungen nicht in Briefen, sondern in einem Album festhalten, in welches dann auch seine Freundin Kamila schreiben sollte. Kamila sah dies so: "Das Album kaufte ich mir selbst und jedesmal, wenn Meister Janáček hierher kam, widmete er mir eine Eintragung. Deshalb sind alle Eintragungen in Písek datiert. Das Album wollte ich mir beim Buchhändler Podhajský kaufen. Dass dieser aber lediglich Alben mit seidenem Einband führte und Meister Janáček sagte, ich solle mir ein in Leder gebundenes kaufen, hat mein Mann es für mich besorgt. Da das Album von meinem Mann gekauft worden war, hatte ich es stets bei mir und Meister Janáček trug nur dann darin etwas ein, wenn er bei uns in Písek zu Besuch war." (Kamila Stösslová 1933 vor dem Kreisgericht in Písek, wo es um die Rückgabe des Albums ging; abgedruckt in ED 1). Das Album ist nicht in die Gesamtausgabe aufgenommen worden, auch nicht in das englische Werkverzeichnis. Einzig 13 Stücke daraus sind zusammengefasst unter > "Stücke für das Album von Kamila Stösslová" (JW VIII/33); die Stücke 3,4,12,13 werden oft unter dem Titel > "Intime Skizzen" geführt und auch eingespielt.
  Der deutsche Pianist Lars David Kellner hat einige Stücke mit den gesprochenen Texten eingerichtet und uraufgeführt > TT 1).
  Die folgende Übersicht zeigt den Umfang von Kellners Produktion im Vergleich zu "Stücke für das Album von Kamila Stösslová" JW VIII/33.
 
JW VIII/33
Spielanweisung
Originaltitel/Kontext (cz.)
Kontext (dt.)
Kontext (engl.)
Datierung
1
Andante
Naše děti
Unsere Kinder
Our children
02.10.1927
2
dolce
Ach, jeden jistÿ pohled do budoucnosti!
Ach, einziger sicherer Blick in die Zukunft!
Oh, sole confident vision of future!
02.11.1927
neu
dolcissimo
O přijd' ti chvíle toužená
O komm du ersehnter Augenblick
Oh come long desired moment
08.12.1927
3
Jen slepý osud
Nur blindes Schicksal
Merely blind fate
11.12.1927
4
At' mám Tě
Du sollst mein sein
Let me have you
09.01.1928
5
Andante
Aby už se nemohlo jíti nikdy zpět
So dass man nie zurück könnte
So that one could never return
12.02.1928
neu
Všechny barvy duhy
Alle Farben des Regenbogens
All colours of the rainbow
13.02.1928
6
dolcissimo
25.02.1928
7
Ten nejistý náš osud!
Wie ungewiss ist unser Schicksal!
How uncertain is our fate!
19.04.1928
8
dolce
Bud' zdráva
Bleib gesund
Stay healthy
26.06.1928
9
Mé štěstí nezkonalé
Mein unendliches Glück
My infinitive fortune
04.08.1928
10
vašnivě (leidenschaftlich)
Jsi mi Bohem určená
Du bist mir von Gott bestimmt
You are reserved for me by God
04.08.1928
11
Ty vlnky mé zlatí Kamily Die Wellen meiner goldenen Kamila You little waves of my golden Kamila
05.08.1928
12
Čekám Tě!
Ich erwarte Dich!
I wait for you!
05.-07.08.1928
13
Zlatý kroužek
Kleiner goldener Ring
Small golden ring
07.-08.08.1928
   
ED 1 1994 Album für Kamila Stösslová, Kommentar und Begleitstudien: Jarmila Procházková, dt. Übersetzung: Dana Mestek, Mährisches Landesmuseum Brünn 1994, ISBN 80-7028-064-6, engl. Ausgabe, übersetzt von John Tyrrell 1996
   
   
TT 1 2012

Lars David Kellner (München), LC 05699 CD; unter dem Titel "Album für Kamila Stösslová" sind alle Nummern außer Nr. 6 & 11 eingespielt, zusätzlich noch zwei weitere Stücke, einige davon als Welt-Ersteinspielung. Die zugehörigen Texte wurden von Rolf Ege als Sprecher aufgenommen (Live-Mitschnitt der UA am 16.12.2012 im Gasteig München). Nr. 4 wurde mit Hannah Zitzmann (Sopran) und Rolf Ege (Text) am 11.01.2014 im Kleinen Theater Haar uraufgeführt. CD zu beziehen bei: www.larsdavidkellner.de

       
Allegro (JW IX/9)
für Piccolo, Glockenspiel und Trommel
K 1924 15.05., Berlin
A nicht erhalten
M Faks des Autografs, in: Feuill 137
ED 1924 im Feuilleton für "Lidové noviny" mit dem Titel "Berlin" (zweites Notenzitat) (JW XV/253)
B Fl picc, Glockenspiel, Trommel
J war 1924 zur "Jenufa"-Premiere nach Berlin eingeladen worden. Später, bei der Premiere von "Kát'a Kabanová" (JW I/8) in Berlin, kam Berlin noch einmal in einem Feuilleton zu Ehren > "Meer, Land" (JW XV/285). Er integrierte oft kleine Kompositions-Skizzen in seinen Feuilleton-Texten. Der Berlin-Text enthält noch ein solches Fragment > "Sanssouci" (JW IX/8). J verwendete eine ähnliche "Besetzung" auch in seinem > "Marsch der Blaukehlchen" (JW VII/9), das sich bis hin zum Bläsersextett > "Die Jugend" (JW VII/10) auswirkte.
D 10 sec, 7 Takte
I Faks in: Feuill 137
       
      Allgemeine Erklärungen zum Melodischen und Harmonischen > Feuilleton 1877 (JW XV/16)
      Alleluja > Tschechische Kirchengesänge aus Lehners Messkanzional (JW II/10, Nr. 4)
      Als ich nach Prag um Erbsen ging > Rákoš Rákoczy (JW I/2, Nr. 11)
       
Als wir zur Kirchweih gingen (Ked' zme šli na hody) ['ggedsme schli na 'hodi, s=sth, sch=stl] (As we went to the feast) (JW III/4)
Horňácký tanec ("Berglertanz") Volkslied-Arrangement für gemischten Chor mit Orchester
gehört zu > "Tschechische Tänze" (JW VI/9, Nr. 3);
ED 1 1891 erstmals gedruckt wurde der Tanz in > "Mährische Volkspoesie in Liedern" (JW V/2, Nr. 52) unter dem Titel "Pohřeb zbojníkův" (Des Rebellen Begräbnis);
      alswirzurkirchweih1 klicken zum anhoeren
       
  2 1893 in der Sammlung > "Volkstänze in Mähren" (JW VIII/10, Nr. 17) mit Abweichungen und ohne instrumentales Nachspiel, unter dem Titel "Sedlácká" (Bauerntanz); diese zweite Version der Singstimme wird auch in JW III/4 verwendet, jedoch mit Vorspiel und umfangreichen Zwischenspielen.
      alswirzurkirchweih2 klicken zum anhoeren
 
TT 1 1996 Als wir zur Kirchweih gingen (JW III/4): Brünner Philh., Tschech Philh. Chor Brünn, Ltg.: Leoš Svárovský; SUP "Janáček unknown II"
 
"Pohřeb zbojníkův" in "Mährische Volkspoesie in Liedern" (JW V/2, Nr. 52):
TT 1 1960 Václav Haliř, Alfred Holeček; SUP LP m
2 1974 Čenik Mlčák, Josef Páleníček; SUP LP st
3 1993 Stanislav Předota, Tenor ; Adam Skoumal, Klavier; MATOUS CD
4 1994 Ivan Kusnjer, Bariton; Marián Lapšanský, Klavier; SUP CD
5 2004 Iva Bittová, Škampa-Quartett; SUP CD
       
      Alte Muhme hat gezaubert > Kinderreime (JW V/17, Nr. 10)
       
Alt-Tschechen
im Gegensatz zu den > Jung-Tschechen politische Gruppierung, welche im 19. Jahrhundert eine Teil-Autonomie für Böhmen und Mähren erreichen wollte oder die völlige Loslösung von der Monarchie Oesterreich-Ungarn. František > Palacký, Bedřich > Smetana,
L 1 2006 Tyrr-Bio 9-22
       
Alttschechische mehrstimmige Kirchenlieder > Tschechische mehrstimmige Kirchengesänge aus dem Freiberger Kanzional (JW XII/5)
Alžběta > Elisabeth (JW XV/189) Feuilleton von 1907
       
Amarus [a'marus] (JW III/6]
Kantate für Soli, gemischten Chor und Orchester
T Jaroslav Vrchlický, aus Vrchlickýs Anthologie von Gedichten 1875-1892, mit kleinen Änderungen im Text, von J
K 1897 21.05.; Revisionen 1901, 1906
A nicht erhalten
M 1 1901 Abschrift, autorisiert und dat 26.5.1901, P, JA A 23.429, von Janáček am 26.05.1906 kollationiert (Vogel 181; Stroeb 124)
2 Abschrift KlA, autorisiert, JA A 49.306
ED 1 1938 KlA, HM Prag, HM 725, tschech und dt Text, dt Ue ohne Angabe
2 1957 P, ČHF Prag, vervielfältigte Abschrift 1)
3 KlA, SNKLHU Prag, H 2261, mit tschech und dt Text - dt Ue ohne Angabe
4 1958 ChorP, SNKLHU Prag
5 2000 P, JGA B/4, Editio Bärenreiter Prag, ediert von Leoš Faltus, Marie Kučerová und Miloš Štědroň, Vorwort von Jiří Vysloužil tschech, dt, engl, frz, russ; Kantatentext, dt Ue: Věra Vysloužilová, engl Ue: Bernard Keeffe, rev. von Karel Janovický
6 2010 P + St, Kalmus Music Publishers A7936, Reprint von 3), nur USA-Markt
MT SUPRAPHON/BÄRENREITER > www.baerenreiter.com 
B Fl picc - 2 Fl - 2 Ob - EHr - 2 Kl - BKl - 2 Fag - 4 Tromp - 3 Hr - 3 Pos
  Timpani - Triangel - Glocken - Tam-tam - Hrf - Str
  S-solo - T-solo - (Bar-Solo) - gemischter Chor
D 28 min; Moderato, Andante, Moderato, Adagio, Tempo di Marcia funebre (Epilog) 90 T / 209 T / 149 T / 106 T / 93 T - total 647 Takte
UA 1898 20.03., nur Epilog (= "Trauermarsch"), Ltg.: Leoš Janáček (Vogel, 181)
1900 02.12., ganzes Werk, Kremsier (Kroměřiž); MORAVAN, Ltg.: Leoš Janáček, Einstudierung: Ferdinand Vach
WA 1 1912 25.02., Brünn, Besední dům, Ltg.: Ferdinand Vach,  Mährischer Lehrerchor (JW, S.85)
2 06.11., Prag, Tschech. Philharmonie, Ferdinand Vach ( JGA D6, S.XII),Vilém Zemánek  (JW, 85). In "Hudební revue" vom November 1912 wurde "Amarus" als Novität angezeigt (Band VI, 93)
3 1915 Brünn, Ltg.:Ferdinand Vach  (Vogel 182)
4 1922 25.02., Brünn, Beseda-Chor, Jaroslav Kvapil (JW, 85)
5 1924 19.10., Brünn, Ltg.: Jaroslav Kvapil (Brod-Br 171/a310)
6 1928 MORAVAN, Ltg.: Eugen Třasoň (BE 56ff)
Zu Lebzeiten Js ist das Werk beinahe populär geworden; vor allem Liebhaber-Chöre in Mähren führten es auf: Ostrava 1923, Brünn 1924, Olmütz 1925, Boskovice 1927 und Kroměříž 1928.
TT 1 1953 Břetislav Bakala, Brno Radio Sinf.O., Vachs Chor mähr. Lehrerinnen, MORAVAN; PANTON CD, publ 1993
2 1961 Václav Neumann,  Brünner Philh., MORAVAN; SUP LP m
3 1974 Václav Neumann, Tschech.Philh., Prager Philh.Chor, PRAGA CD, publ 1996
4 Otakar Trhlík, Janáček-Philh. Ostrava, Prager Philh.Chor; SUP LP st
5 1978 Rafael Kubelík, Sinf.orchester und Chor des Bayerischen Rundfunks; Live-Mitschnitt BR, dt gesungen, mit Textdifferenzen zu dt Text in ED 1), 3) und 5); Sammlung Knaus
6 1984 Sir Charles Mackerras, Tschech.Philh., Prager Philh.Chor; SUP CD
L 1 1897 Janáček, Leos: Jak napadly myšlenky (Wie die Einfälle kamen), für die Zschr Hlídka 1897 geschrieben, ist aber damals nicht publiziert worden, erstmals in: opmus 5-6/1974, S.199-202; dt. Ue Jan Gruna, in MdL, 89-94; + Vesely 46ff, dt. in: MdL, 44; original in: Lit I-2, 5-11 (JW XV/313)
2 Dvořák, Antonín: Brief an Janáček, 21.5.1897 in: Dvořák, Antonín: Korespondence a Dokumenty, Band 4, 89-90
3 Janáček, Leoš: Brief an František Bíly, 24.5.1897, in:
4 Vrchlický, Jaroslav: Brief an Janáček, 8.6.1897, in: BE 55-56)
5 1911 Kunc, Jan: Leoš Janáček. In: Hudební revue, Jg.IV, März 1911, S.129ff, dt Ue Knaus - Sammlung Knaus
6 1912 Kunc, Jan: Konzertbericht PSMU, in: Hudební revue April 1912, S.357, mit Bemerkungen zu "Amarus"
7 Nebuška, Otakar: Rezension, u.a. "Amarus als Novität in Prag", in: Hudební revue, Nov.1912, Nr.2, Bd.IV, 93
8 1924 Janáček, Leoš: Brief an Fr. Linda, 1924, mit Erinnerungen an seine eigene Jugendzeit im Brünner Kloster (Vogel 177)
9 1928 Janáček, Leoš: Brief an MORAVAN, 2.6.1928, in: BE 56ff
10 1938 Štědroň, Bohumír: Erläuterungen zu "Amarus", 1938, in: BE 55-58
11 1949 Helfert, Vladimír: Janáčkův "Amarus" (Janáčeks "Amarus") in: O Janáčkovi (Ueber Janáček), HM Prag 1949, S.51ff
12 1958 Vogel 177-182, 276
13 1975 Ströbel, Dietmar: Motiv und Figur in den Kompositionen der Jenufa-Werkgruppe Leoš Janáčeks. Freiburger Schriften zur Musikwissenschaft 6, Musikverlag Emil Katzbichler, München 1975, über "Amarus" S.159-203
14 1983 Straková, Theodora: Leoš Janáček a Antonín Dvořák ve světle korespondence a dokumentů (L.J. und A.Dvořák im Lichte ihrer Korrespondenz und Dokumente). In: Kongr. bericht "Colloquium Dvořák/Janáček and their time", Prag 1983, S.177-181, dt. Ue knj > Sammlung Knaus: Dvorak )
15 2006 Tyrr-Bio I, 435-437
I 1 1927 Foto Nr. 110, Leoš Janáček 1927/1 (bei Aufführung von "Amarus" 14.05.1927 in Boskovice), in: obraz 45
2 1948 Faksimile der Hs von Janáčeks Text "Jak napadly myšlenky" (Wie die Einfälle kamen), mit Bemerkungen zu "Amarus"; in: Obraz života a díla (Abbild von Leben und Werk) hrg. von Jan Racek, Brünn 1948, S.60
"Amarus" ist fast gleichzeitig mit dem ersten Akt von Její pastorkyňa (> "Jenufa" JW I/4 ) entstanden; J legte die Kantate Antonín Dvořák zur Begutachtung vor (L 2). J hat hier zum ersten Mal sein Kompositionsprinzip mit den Kurzmotiven konsequent angewendet. Er überträgt dabei die anhand vertonter Texte gewonnenen Einsichten in die > Sprechmelodie auf rein instrumentale Bereiche. Der in der Sprechmelodie verborgene musikalische Formelvorrat wird aufgedeckt, erweitert und seinem individuellen Stilwillen untergeordnet.
Ströbel (L 12, S. 202) beschreibt diese Kompositionsweise so: Das Sprechmelos zeigt Janáček, dass der kurzen Gedanke, nur aus wenigen Tönen bestehend, ein in sich Sinnvolles, Fertiges sein kann - es bestätigt die Janáček eigene Kurzgliedrigkeit der melodischen Erfindung, wie sie die Frühwerke deutlich zeigen, als positive Möglichkeit, sinnvoll Musik zu machen. Das Motiv bei J ist sozusagen fertig, es wird im Stück kaum erweitert, in der Regel unter Anwendung von intensivierender Variation so addiert, dass es immer erkennbar bleibt.
Was J am Volkslied faszinierte, war die Möglichkeit, das an der Labilität und Kürze des Sprechmelospartikels orientierte Motiv in einen grösseren Organismus einzubringen, der diesem Sprechmelos adäquat ist.
Daraus geht bei J eine Neuorganisation des kompositorischen Verfahrens hervor: Addition motivischer Glieder unter gleichzeitiger Variierung und Intensivierung derselben. Im ersten Teil dominiert das zweitaktige Motiv:
amarus1 klicken zum anhoeren
Der zweite Teil verwendet ein durch Repetition zusammengesetztes Viertakt-Motiv im Chor:
amarus2
Der dritte Teil, in sich dreiteilig (A-B-A) angelegt, ist auf dem Kontrast zwischen einem schroffen Akkordmotiv in den tiefen Bläsern (1) und einem gesanglichen Motiv in Bassklarinette und Fagott - imitiert in der Oboe und durch den Solotenor - aufgebaut:
amarus3 amarus4 klicken zum anhoeren
Auch der vierte Teil ist dreifach gegliedert (A-B-A); er bring im mittleren Teil eine gewisse "Entspannung durch die Sechszehntel-Bewegung der Chorbässe zu den Worten: Am Kirchhof lag er, beim alten Grabe seiner Mutter" - die motivische Ableitung aus dem ersten Teil ist offensichtlich, während im Chor die Umkehrung davon auftaucht.
amarus5
Der Epilog verwendet die gleiche Einleitungsgeste wie der erste Teil, allerdings in intensivierter Form mit den Glocken. Der Mittelteil bringt ein ruhig dahinfliessendes lyrisches, eintaktiges Motiv (aus der Umkehrung des gesanglichen Motivs im dritten Teil gebildet), das variierend ausgebaut wird:
amarus6

 

Die abstürzende Violinfigur im ersten Teil (Takt 18) schliesst das Werk im pp (und vergrössert) in der Harfe ab.
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"Amarus" geht auf Jugenderinnerungen an das alte Kloster in Brünn zurück, wie J an Brod schrieb (Brod-Br, 135; Brod, 41). In einem Brief an den Leiter der UE, Emil Hertzka, bezeichnete J das Werk als seine "Frühlingsromanze" (UE-Br 72).
Der autobiografische Hintergrund wird von J selbst auch im Brief an den Chordirigenten Fr. Linda bestätigt: Amarus? Das Königinkloster in Brünn, seine düsteren Gänge, die alte Kirche, die ausgedehnten Gärten, mein armes dort verbrachtes Jünglingsdasein, die Einsamkeit und bangende Sehnsucht, dies alles hatte es zum Amarus so nahe. Mein Jugendsehnen fand Vrchlickýs Text. Auch Jugend und Frühling begegneten hier einander. (Vogel, 177)
Der Text von Vrchlický hatte zweifellos die Erinnerungen an seine eigene Jugendzeit im Kloster ausgelöst: Der pflichtbewusste Mönch vergisst über dem Anblick zweier Liebender die Altarlampe mit Oel aufzufüllen - er stirbt deswegen gemäss der früheren Prophezeiung (II, Andante).
Die Instrumentierung mit tiefem Blech verweist auch auf das etwa gleichzeitig entstandene > "Höre mich, Herr" (JW III/5). Der Epilog (Tempo di marcia funebre) erinnert mit seinen Glocken an die Krönungsszene in Modest Mussorgskis "Boris Godunov", den aber J erst 1910 kennen lernte > Mussorgski. 
Jan Kunc schrieb 1912: In seinem ganzen Stil ist schon die Pastorkyňa vorauszusagen. Technisch ist das Stück eher nur flüchtig hingeworfen als ausgearbeitet, eher fragmentarisch als architektonisch gebaut. In der Instrumentation empfindet man irgendwo schon den Kampf um den richtigen Ausdruck; einige Stellen klingen prachtvoll, anderes misslingt. In den Chorteilen können die Wiederholungen nicht ganz verhindern, dass der Satz zerrissen wird. L 6)
Vollständiger Text, dt Ue Otakar Nebuska (?) in ED 1)  Varianten, nach TT 4) Editio Supraphon
Stets lebt' er im Kloster, wusst' selbst nicht, woher einst er kam, das dankte er der Sünde seiner Herkunft. Drum hiess er Amarus.   ...woher er einst kam, das dankte er der Sünde seiner Geburt, drum hiess man ihn Amarus. 
War aufrecht und traurig, stets gedankenbeschwert strebte er nach seltsamen Fernen. Einstmals fleht' zu Gott er als silbern Mond die Zelle füllte: "Stets floh ich, stets floh mein Glück ich, allem Glück entsagt ich, vergeudete mein Leben. Eins nur, nur eine einzige Gnade erfleh' ich von Dir! Sag, wann vergeh' ich?" Kaum sprach er diese Worte, erschien ein Engel, sagte leise: "Sterben müsstest du, vergässest du einst, jener Altarlampe Oel nachzufüllen!" Einstmal fleht' er zu Gott als silbern Mond die Zelle erfüllte:



 "Sterben müsstest du erst, vergässest du einst....
Tag und Jahr verflogen, in Einsamkeit durchlebt' sie Amarus. Der ew'gen Lampe goss stets er Oel nach und sagte: "Ich entzünde meine Seele!" und lächelte voll Schmerzen. Einst im Frühjahr da ging er wieder, hielt in der Hand den Oelkrug. Hingeschmiegt ins Chorgestühl, dicht vor dem Gnadenbild der Jungfrau sah er Liebende. Still verblieb er und hielt den Atem an. Als sie zu End' gebetet, folgt' er den Liebenden. Ihn fassten Sehnsuchtsschauer. Lauschend stand er auf dem Klosterfriedhof, von Fliederduft und Weissdorn umweht. Der ew'gen Lampe goss stets er das Oel nach...
Trunkne Fliederdüfte schwellten ihm heiss das Blut, ein Vogel nahe sang und blütengleich umflog,  jäh vom Windhauch belebt, sein Haupt ein heller Schmetterling. Er schritt weit und weiter. Nah' einem Grabe, gleichgefügt dem Rasen, gelagert tief ins blüh'nde Grün des Holders, - dort sassen sie, die Sel'gen.
Sein Haupt lag sacht an ihrem Herzen, in ihre schwarzen Haare streute schwer der Flieder taubedeckte Blüten. Von fern' klang ein Vogelruf, der Flieder rauscht', der Tau erglüht' im Grase. An die Mutter dacht' Amarus, die unbekannte. Ihr hatt' er Dank zu sagen für dies sein bitt'res Leben.
 


gelagert tief ins blüh'nde Grün des Hollers
Heut' füllte nicht Amarus die ew'ge Lampe. Blieb unbeweglich, der Vogel sang sein Lied fort.
Die Nacht verging, zum Beten kamen die Brüder. - Die ew'ge Lampe war erloschen, verwaist.
Sie suchten Amarus, doch es fand ihn keiner.
Am Kirchhof lag er, lag still überm Grabe, beim alten Grabe seiner Mutter. Sein Antlitz war dem blühn'den Flieder zugewandt. So lag er dort, von fern klang der Vogelruf.
der Vogel sang sein Lied fort.

Sein Antlitz war dem Flieder zugewandt, so lag er dort, von fernher klang ein Vogelrufen.
Drum hiess er Amarus...  Amarus, so hiess er!
  Diese Neu-Orientierung in der Komposition hatte zur Folge, dass er die nach dem fertiggestellten ersten Akt von "Jenufa" eingelegte Pause abschloss und mit diesem Neu-Ansatz an den zweiten Akt heranging > L 15)
       
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